Ein Besuch im Klärwerk

Wer denkt schon beim Duschen, Geschirrspülen, Wäsche waschen oder Toilettenspülen darüber nach, was mit all diesem verschmutzten Wasser passiert? Wohin es fließt und vor allem, wie es wieder gesäubert wird?
An einem heißen Samstag im September gingen wir dieser Frage mit einem Besuch im Zentralen Klärwerk der Stadt Lübeck an der Warthestraße nach, unter kundiger Führung von Christian Meyer. Eine große Überraschung erlebten wir gleich am Anfang der Anlage: wir erfuhren, dass hier täglich 45 Millionen Liter Wasser ankommen, das gesamte Abwasser aus Lübeck und Bad Schwartau. Allein jede Person produziert pro Tag ca. 120 Liter Abwasser. Dazu kommen noch die Abwässer aus allen Gewerbe- und Industriebetrieben und das Regenwasser aus den Kanälen. Das alles muss gereinigt werden, bevor es in den Wasserkreislauf zurückgeführt werden kann. Dazu durchläuft das ankommende Wasser eine komplizierte Prozedur, der wir nun durch die Anlage folgten.
Nach der mechanischen Reinigung in großen Behältern, bei der alle festeren Bestandteile mit großen Rechen herausgekämmt, gesammelt, gepresst und schließlich verbrannt werden, folgt ein Becken, in dem Sand ausgespült wird, und weitere für die biologische Reinigung mit Bakterien und die Reinigung mit chemischen Zusätzen. Der dabei anfallende Schlamm wird in die riesigen eiförmigen Faultürme gepumpt und das gereinigte Wasser in die direkt vorbeifließende Trave abgelassen. Das geht ununterbrochen so, weil man das ankommende Wasser ja nicht aufbewahren kann, bis wieder Platz ist.
Wir sind nicht über ganze große Anlage gewandert, aber wir durften auf die Faultürme. Hier wird durch den Faulungsprozess des Klärschlamms Methangas gewonnen, das 95% der Energie liefert, die zum Betrieb der Kläranlage nötig ist. Außerdem bieten sie dank ihrer Höhe eine großartige Aussichtsplattform, auf der man über die Anlage und die Trave nach Bad Schwartau und Lübeck mit seinen Türmen schauen kann. Christian Meyer beantwortete uns auch hier noch geduldig alle unsere Fragen. Wir alle waren schwer beeindruckt von dieser Wasserwelt, über die wir uns so wenig Gedanken machen. Dabei ist sie für Umwelt und Stadt-Hygiene und damit Gesundheit ausgesprochen wichtig.

Und wenn Sie sich jetzt fragen sollten, ob es nicht an einem so heißen Tag auch eine Zumutung für die Nase war: nur am Anfang. Je sauberer das Wasser wird, desto weniger Gerüche entstehen noch.

 

 

Mit Dank an die Entsorgungsbetriebe Lübeck und auch in diesem Fall an den Integrationsfond der Stadt Lübeck.