Unser Verein hat sich – über alle Widrigkeiten der Corona-Krise hinweg – zu einem festen Bestandteil im Leben vieler Mitglieder entwickelt – sowohl der Neu- wie der Altbürger. Beziehungen, ja Freundschaften sind im Laufe der Zeit entstanden und haben die erheblichen Einschränkungen des sozialen Lebens seit Anfang 2020 überdauert, nicht zuletzt durch die digitale Vernetzung.

Begonnen hat alles ganz unspektakulär:

2014 saßen ein paar Frauen aus verschiedenen Ländern in einem Deutschkurs zusammen, die sich bald näherkamen und in der Folge auch privat trafen. Im Laufe der Zeit wurde die Gruppe größer, und ab Ende 2015 führten diese Zusammenkünfte zu regelmäßigen Frühstückstreffen, die dann einmal im Monat sonntags – noch im privaten Rahmen – stattfanden. Dabei stand aber nun nicht mehr nur die Förderung der mündlichen Verständigung in Gesprächen im Mittelpunkt, sondern zunehmend die Notwendigkeit, auf allen möglichen Gebieten rings um das Thema Migration aktiv tätig zu werden, ob es sich um Behördengänge, Unterstützung beim Ausfüllen von Formularen, bei der Wohnungssuche usw. handelte.Inzwischen war die Teilnehmerzahl aber so stark angewachsen, dass neue Räumlichkeiten gefunden werden mussten. Das „Cloudsters“ in der Braunstraße ermöglichte größere Zusammenkünfte, die nun durchorganisiert werden mussten. Gleichzeitig wurden Migranten durch die Übernahme organisatorischer Aufgaben eingebunden. So erfuhren sie auch etwas über die Strukturen und Mechanismen unserer Gesellschaft, denn Einladungsmails mussten geschrieben, Büfetts aus selbst zubereiteten Speisen (natürlich interkulturell) zusammengestellt, Unterhaltungsprogramme geplant, Tische mit Kleiderspenden, Kinderspielzeug und Hausrat aufgestellt werden. Jeder konnte sich bedienen oder selbst etwas dazulegen.

Hier entstand unsere Grundidee von gegenseitigem Geben und Nehmen, nicht nur in materieller, sondern auch in ideeller Hinsicht: wir arbeiten alle zusammen an unseren Zielen.

So waren die Treffen nicht nur zu einem beliebten Forum für Begegnung und zum Informationsaustausch geworden, sondern zum Mittelpunkt einer immer umfangreicheren Projektarbeit mit Beratung, Vernetzung und Mobilisierung von aktivem Engagement.

2017 übernahmen die SonntagsDialoge Räumlichkeiten am Kolberger Platz 1 als Mieter und renovierten sie in Eigenarbeit. Hier entstand die gemeinsam mit dem ADFC betriebene Fahrradwerkstatt, ein wichtiger Baustein zur Verbesserung der Mobilität.

Diese Lübeck Werkstatt wurde nun zum zentralen, sehr beliebten Vereins-Treffpunkt und Standort auch anderer regelmäßiger Unterstützungsangebote wie Sprachunterricht, Computer- und Bewerbungstraining, Beratung zur beruflichen Orientierung sowie zur sozialen Eingliederung.

Gemeinsame Ausflüge ermöglichten es, die Stadt und ihre Umgebung kennenzulernen.

Ebenfalls 2017 wurde die private Initiative zum eingetragenen Verein, dessen Name sich aus den monatlichen Treffen ableitete.

Unser Engagement als Verein wurde seitdem mit einigen Nominierungen und Preisen belohnt.

Von Beginn an arbeiteten wir mit anderen Institutionen und Gruppen zusammen, die für zugewanderte Menschen weitergehende Hilfsangebote bereithielten. Durch diese Netzwerkarbeit wurden und werden die vorhandenen Ressourcen bestmöglich verteilt.

Ende 2019 musste der Verein, hauptsächlich aus finanziellen Gründen, die Räumlichkeiten am Kolberger Platz mitsamt der Fahrradwerkstatt aufgeben.

Das war ein erheblicher Einschnitt für die gesamte Vereinsarbeit, zumal diese neue Situation fast zeitgleich mit dem Auftauchen des Corona-Virus einherging.

Allerdings konnte die Werkstatt schon 2020 ein neues Quartier beziehen konnte: sie öffnet seitdem wöchentlich ihre Tür in der Astrid-Lindgren-Schule in Moisling. Die anderen Veranstaltungen, wie Sprachkurse, Computertraining, Nähkurse mussten dezentral auf verschiedene Stätten in Lübeck ausweichen oder sogar aufgegeben werden.

Mit viel Hilfe und unter fast verzweifelten Anstrengungen gelang es, den Verlust des Vereins-Mittelpunkts am Kolberger Platz einigermaßen aufzufangen.

Doch dann kam im März 2020 die Corona-Pandemie und stoppte zum großen Teil die gerade wiederbelebten Aktivitäten der SonntagsDialoge.

Nach einer Zeit der allgemeinen Schockstarre begann man sich nun intensiver mit den Möglichkeiten des Online-Treffens und -Lernens zu beschäftigen.

Dafür konnten über die Possehl-Stiftung 30 Laptops beschafft, an die Lerner*innen verteilt und diese geschult werden. Auf diese Weise kamen im weiteren Verlauf über 90 PCs und Laptops zusammen, die aufgerüstet und vergeben wurden. Dadurch waren die Lerner*innen nun auch materiell und mit der nötigen Kompetenz in der Lage, am Online-Unterricht der verschiedenen Sprachschulen genauso wie an den Online-Treffen der Ehrenamtlichen des Vereins teilzunehmen.

Im Sommer 2021 traf man sich wenigstens bei gutem Wetter mit Abstand und im Freien, z.B. im sehr beliebten Schulgarten zum Deutschunterricht, aber die großen Frühstückszusammenkünfte waren unmöglich geworden.

Erst im Sommer/Herbst 2021 wurde ein fast „normaler“ Betrieb vorsichtig und nach den Epidemie-Regeln wieder aufgenommen.

Nicht zuletzt durch die rege Beteiligung innerhalb der großen Vereins-Chatgruppe blieb die Kommunikation untereinander lebendig, so dass sich eine gewisse Vertrautheit rasch wieder einstellte.

Seit Oktober 2021 haben die SonntagsDialoge, zumindest bis zum Frühjahr 2022, auch wieder ein neues Vereinslokal. Ein Raum im Krähenbad steht allen Interessenten für drei Tage in der Woche offen.