Wenn Menschen zusammenkommen, um einander zu unterstützen, entsteht etwas Besonderes. Das war auch bei der Mitgliederversammlung unseres Vereins zu spüren, der sich seit vielen Jahren mit Herz und Engagement der Integration von Zuwanderinnen und Zuwanderern in ihre neue Umgebung widmet.
Mitglieder und andere Interessierte hatten trotz des kalten Wetters den Weg in die Diele in der Mengstraße gefunden, wo alles vorbereitet war. Alte Bekannte begrüßten sich herzlich, neue Gesichter wurden neugierig und warm empfangen. Genau dieses Miteinander ist es, das unseren Verein trägt – und das an diesem Abend in vielen Beiträgen und Gesprächen spürbar wurde.
Schwerpunkte der Versammlung waren der Rückblick auf ein ereignisreiches Jahr, die Entlastung des alten Vorstands, die Wahlen neuer Vorstandsmitglieder und der Dank an an alle Unterstützer der Vereinsaktivitäten.
Bei den Berichten über das vergangene Jahr wurde die Sprachhilfe als tragende Säule der Vereinsarbeit hervorgehoben. Denn Sprache ist mehr als Grammatik – sie ist der Schlüssel zu Begegnung, Teilhabe und Selbstvertrauen.
Im Einzelunterricht und in Lerngruppen, bei informellen Gesprächen und mit viel Geduld helfen unsere rund 30 Ehrenamtlichen dabei, Sprachbarrieren abzubauen. Laut den Wochenplänen nehmen wöchentlich durchschnittlich 100 Personen an den Kursangeboten des Vereins teil. Dazu kommt seit dem Sommer auch
das wöchentliche Sprechcafé, das allen offen steht und sich zu einem Publikumsrenner entwickelt hat. Auf unsere Sprachhilfe als Beitrag zum Zusammenleben können wir zu Recht stolz sein.

Ein weiteres wichtiges Standbein des Vereins sind unsere Aktivitäten rund ums Fahrrad: der Zweckbetrieb Fahrradverleih, unser Trainingsprojekt für Zugewanderte, gibt ihnen eine Chance, mit Kassenführung und Kundenbetreuung vertraut zu werden und dabei ihre Deutschkenntnisse zu ergänzen. 
Alles Geld, das wir mit dem Verleih verdienen, wird ausschließlich für die Arbeit des Vereins verwendet. 2025 sind die Erträge jedoch gegenüber dem vorigen Jahr zurückgegangen, was einerseits auf das schlechte Wetter im Frühsommer, andererseits auf die gekürzten Öffnungszeiten zurückzuführen ist. Die Kürzung war nötig, da nicht genug ehrenamtliche Helfer zu finden waren.
Die Fahrradselbsthilfewerkstatt an ihrem Standort in Moisling ermöglicht Mobilität im Alltag und öffnet Wege zu Arbeit, Schule und Freizeit. Sie konnte wie gewohnt weiterlaufen. Hier werden gespendete Räder gemeinsam repariert und instand gesetzt. Wer in der Werkstatt mithilft, kann ein Fahrrad erhalten. Dieses Prinzip des Gebens und Nehmens schafft nicht nur funktionierende Fahrräder, sondern auch Begegnungen auf Augenhöhe, praktische Fähigkeiten und ein starkes Gemeinschaftsgefühl.
Großen Raum nahmen auch die zahlreichen Veranstaltungen ein, die den Verein so lebendig machen. Eine Präsentation mit Fotos und kurzen Erläuterungen machte sichtbar, wie vielfältig und bunt das Vereinsleben ist.
Feste, Radwanderungen, monatliche Picknicks, Ausflüge zu Sehenswürdigkeiten der Region und Entdeckungstouren durch die eigene Stadt, Teilnahme an öffentlichen Veranstaltungen wie z.B. der Museumsnacht oder dem Marathon, Museumsführungen und Workshops in der St. Annen Kunsthalle – all diese Momentaufnahmen erzählten von Begegnungen, Bewegung und gegenseitigem Lernen. Der Rückblick machte deutlich, dass es nicht nur um Angebote und Termine ging, sondern um Erfahrungen, die verbinden. Für viele Zugewanderte waren diese Aktivitäten ein erster Zugang zur neuen Umgebung, zur Stadt und zu den Menschen hier. Für alle Beteiligten waren sie Gelegenheiten, Gemeinschaft zu erleben, Vertrauen aufzubauen und gemeinsam Neues zu entdecken.





Der Blick zurück war damit zugleich ein Blick nach vorn. Er machte Mut, die erfolgreiche Mischung aus Engagement, Offenheit und Kreativität
weiterzuführen
und auch im kommenden Jahr Räume für Begegnung, Bewegung und Zusammenhalt zu schaffen.
Auch der formelle Teil der Mitgliederversammlung fügte sich stimmig in die offene und wertschätzende Atmosphäre des Abends ein. Die solide und transparente Kassenführung, bestätigt von den Kassenprüfern, zeigte, dass der Verein wirtschaftlich auf gesunden Füßen steht. Einnahmen aus dem Zweckbetrieb Fahrradverleih, Fördermittel und Spenden konnten verantwortungsvoll eingesetzt werden, um Sprachhilfeangebote, Werkstattbetrieb und Veranstaltungen zuverlässig zu ermöglichen. Die anstehenden Wahlen wurden mit großer Aufmerksamkeit und gegenseitigem Vertrauen durchgeführt. Der neue Vorstand wurde einstimmig oder in Einzelfällen mit einer Gegenstimme gewählt oder wiedergewählt – ein Zeichen dafür, wie sehr die Mitglieder die gemeinsame Arbeit und die zukünftige Ausrichtung des Vereins mittragen. Gleichzeitig wurde der bisherige Vorstand offiziell entlastet.

Der frisch gewählte Vorstand:
vordere Reihe von links nach rechts: Eva Zarnack (Beisitzerin: Koordination Sprachhilfe), Petra Cain (Beisitzerin: Öffentlichkeitsarbeit), Gerlinde Butzphal (Beisitzerin: Netzwerken), Olexandra Schneider (Beisitzerin: Büro, Öffentlichkeitsarbeit); zweite Reihe: Ulrich Rutter (Kassenwart), Herbert Kozian (2. Vorsitzender), Christian Weihsbach (1. Vorsitzender), Tatjana Voskuhl (Beisitzerin: Förderanträge); dritte Reihe: Anja Evers (Beisitzerin: Ausflüge, Veranstaltungen), Arndt Deutsch (Beisitzer: Spenden, Kontakte Handwerk)
In Gesprächen mit vielen Anwesenden klang dabei nicht nur formale Zustimmung mit, sondern ehrliche Anerkennung für das Engagement, die Verantwortung und die vielen oft unsichtbaren Stunden Arbeit im vergangenen Jahr.
Es folgte der emotionale Höhepunkt des Abends, der Dank an besonders verdienstvolle Mithelfer:innen. Mit persönlichen Worten und viel Applaus wurden Menschen gewürdigt, die sich mit außergewöhnlichem Einsatz eingebracht haben – sei es im Büro, der Sprachhilfe, in der Werkstatt oder in der Organisation von Ausflügen und Radtouren. Ihre Geschichten machten deutlich, wie sehr der Verein von einzelnen Persönlichkeiten lebt, die Verantwortung übernehmen und andere mitziehen.

Doch der Dank und die Blumen galten nicht nur einigen wenigen. Immer wieder wurde betont, dass der Verein ohne seine vielen ehrenamtlich Engagierten nicht denkbar wäre. Ob regelmäßig oder punktuell, sichtbar oder im Hintergrund – jede helfende Hand trägt dazu bei, dass Integration hier ganz praktisch gelebt wird. Mit einem herzlichen Dank an alle Ehrenamtlichen endete der offizielle Teil der Versammlung und ging über in Gespräche, Lachen und neue Ideen. Ein Abend, der zeigte: Dieser Verein ist mehr als eine Organisation – er ist eine Gemeinschaft.
Zum Abschluss der Versammlung wurde deutlich: Integration ist kein abstraktes Konzept, sondern geschieht im Alltag – beim gemeinsamen Schrauben, Malen, Lernen, Reden und Lachen. Die Mitgliederversammlung war nicht nur ein formeller Rückblick, sondern ein lebendiges Zeugnis dafür, was möglich ist, wenn Menschen sich mit Offenheit, Respekt und Tatkraft begegnen. Mit viel Motivation und neuen Ideen blickt der Verein nun auf das kommende Jahr – bereit, weiterhin Brücken zu bauen und Wege gemeinsam zu gehen.

