Herzlichen Dank an Christiane für ihren ausführlichen Bericht:
Am 25. Januar 2026 besuchten 12 Kunstinteressierte der SonntagsDialoge die Ausstellung der indischen Künstlerin Shilpa Gupta, die 2025 den Possehl-Preis für Internationale Kunst erhalten hat. Die Teilnehmenden waren eine international und über verschiedene Generationen hinweg gemischte Gruppe.
Im Zentrum der Ausstellung steht das Thema „Grenzen“, ein Thema, das uns bei den SonntagsDialogen natürlich auch immer wieder intensiv beschäftigt. Die Ausstellung präsentiert multimediale Werke der Künstlerin, die in Anknüpfung an die Ideen der Konzeptkunst (die in den 60er und 70er Jahren entstanden ist) zur Auseinandersetzung, zum Nachdenken und zum Gespräch einladen:
Wo und wie erleben wir Grenzen, was bedeuten Nationen in unserem alltäglichen Leben, wie entstehen Grenzen und wie können sie überwunden oder sogar aufgehoben werden? Die Kunstwerke beschäftigen sich mit den kleinen und scheinbar ganz selbstverständlichen Grenzen, die wir in uns tragen, ebenso wie mit globalen Abgrenzungen und den Konflikten, die sie auslösen.
Unterstützt durch die fachkundigen und inspirierenden Erläuterungen der Kunstvermittlerin Britta Yook kamen die Teilnehmenden bei einzelnen Werken in einen angeregten Austausch – ganz so, wie es sich die Künstlerin vermutlich gewünscht hat.
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In diesem Buch, dessen Seiten stetig von einem Ventilator umgeblättert werden, sind viele verschiedene Umrisse von Deutschland abgebildet, die einzelne Personen aus dem Gedächtnis gezeichnet haben.
Wo hört dieses Deutschland eigentlich auf – oder wo fängt es an? Die Zeichnungen geben davon sehr unterschiedliche individuelle Eindrücke bzw. Vorstellungen wieder. |
| Die Gesamtlänge befestigter Grenzanlangen zwischen Indien und Pakistan (die Grenze entstand 1947 durch die Teilung Indiens) beträgt 1.188,5 Meilen. Ein handgesponnener Faden von dieser Länge wurde zu einem Knäuel aufgewickelt, was mehrere Tage gedauert hat. Diese meditative Tätigkeit stellt auch eine Art von Trauerarbeit über die Existenz der Grenze dar.
Die frühere deutsch-deutsche Grenze, die in der Nähe von Lübeck verlief, war knapp 1.400 km lang. Eine Staatsgrenze gibt es hier nicht mehr, doch glauben viele Deutsche, dass die Trennung noch nicht überwunden ist. |
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Aufmerksame Zuhörer …

In diesen Flaschen befindet sich mehr als nur Luft! Shilpa Gupta hat Texte von verfolgten Dichterinnen und Dichtern in die Flaschen hineingesprochen und diese dann verschlossen.
Stimmen, die zum Schweigen gebracht werden sollten, werden so für die Ewigkeit aufbewahrt.
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Die Künstlerin hat Mädchen im Alter von 8 bis 10 Jahren über ihre Zukunftsträume befragt. Wie verhalten sich individuelle Wünsche zu den globalen Veränderungen?
Wer hört diesen Mädchen zu?
In Indien werden mehr als 100 Sprachen gesprochen. Aber auch hier sind einige zum Teil sehr unterschiedliche Sprachen versammelt!
Shilpa Gupta möchte auch durch die Sprache der Kunst eine Verbindung zwischen den Menschen schaffen. Hier konnten nur einige wenige Beispiele ihrer interessanten Arbeiten vorgestellt werden.
Der Besuch der Ausstellung hat sich auf jeden Fall gelohnt und uns neue Perspektiven eröffnet. Vielen Dank an die Kunsthalle St. Annen und Frau Britta Yook!

Und egal, welche Sprache(n) wir sprechen und welche Grenzen uns trennen, wir leben doch alle unter demselben Himmel.





